„Ein Stück weit vergiftet“

Sprache ist verräterisch. Der Chefredakteur der AZ schreibt am 12.3.16, dass auch bei der niedersächsischen Kommunalwahl im September „womöglich“ Kandidaten der AfD in die Parlamente „gespült“ würden. Schon am 13.12.2014 sprach Herr Mitzlaff in Bezug auf Bürger, die sich gegen die Einwanderungspolitik der etablierten Parteien wenden, von „Rattenfängern“, welche „diffuse Ängste“ der Bevölkerung für sich auszunutzen versuchten.

Nach Ansicht unserer Lokalzeitung werden also nur Vertreter von CDU, SPD oder Grünen „gewählt“. Die AfD hingegen gelangt als eine Art Treibgut oder sonst etwas Minderwertiges in die Parlamente. Die angeblichen Rechtspopulisten rückt er sprachlich in die Nähe von Nagetieren und ihre Wähler sind keine mündigen Bürger, sondern als von „diffusen Ängsten“ Geplagte wohl reif für eine Therapie. Da erhebt sich nur eine Frage: Wenn Herr Mitzlaff sich ehrlich Sorgen macht um die „politische Kultur“ und den „Umgang miteinander vor Ort“ – warum fängt er nicht bei sich selbst und seiner Zeitung an?

Herr Mitzlaff könnte versuchen zu verstehen, dass Bürger die AfD unterstützen, eben gerade weil sie um das „Stück Unbeschwertheit“ in ihrem Leben fürchten, von dem er in seinem Kommentar spricht. Diese Bürger sehen die Unbeschwertheit ihres Lebens von der Politik der etablierten Parteien bedroht, von nichts anderem. Diese Bürger treibt nicht irrationale Angst, sondern die Überzeugung, dass sie in ihren verfassungsmäßigen Rechten durch Zuwanderungspolitik und Euro-Rettung massiv beeinträchtigt sind. Diese Bürger wollen nicht länger hinnehmen, dass CDU, SPD und Grüne in echter Blockparteien-Manier die von ihnen verfolgte Politik als alternativlos, unumkehrbar und moralisch deklarieren, um auf diesem Wege die demokratische Willensbildung zu ersticken. Und diese Bürger sind entschlossen zu verhindern, dass die Zukunft ihrer Kinder durch ideologisch motivierte Gesellschaftsexperimente verdüstert wird.

Vor allem aber müsste Herr Mitzlaff zur Kenntnis nehmen, dass nach den Erfahrungen vieler seiner Mitbürger der „schleichende Niedergang der politischen Kultur“ längst stattgefunden hat: Abweichler vom politisch korrekten Dogmatismus müssen in Deutschland mit Denunziationen und gewalttätigen Angriffen bis hin zum Mordversuch rechnen, wenn sie von ihren politischen Rechten Gebrauch machen. Und für viele dieser Menschen besteht der „Umgang miteinander vor Ort“ darin, dass sie in ihrer Lokalzeitung zwischen den Zeilen als Menschen zweiter Klasse beschrieben werden.

Rainer Pehlke für den Kreisverband Uelzen der AfD

2018-08-27T13:11:20+00:00